Judith Kerr

      Judith Kerr



      Kinderbücher sind die schwerste Literatur.
      Man muss Kinder ernst nehmen, will ihnen also auch das Große, Ernsthafte erzählen, aus dem die Welt besteht.
      Aber wie will man den Kindern begreiflich machen, was selbst wir als Erwachsene kaum begreifen können?
      Inzwischen gibt es zahllose Kinderbücher über den Schrecken und das Elend des Alltags der Zeit des zweiten Weltkriegs.
      Doch als Judith Kerr ihr Meisterwerk begann, musste ihr Verlag ihr sagen, dass es noch niemand gewagt hatte, über Hitler ein Kinderbuch zu schreiben.
      Es war ein Glück, dass ihr Verleger sie ermutigte. Denn das Ergebnis war ein beeindruckendes Zeugnis ihrer eigenen Kindheit: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ erzählt ohne Nostalgie, ohne Hass, ohne zu erwachsen zu sein, wie es sich lebt unter Antisemitismus.
      Es wurde zu einer Standardschullektüre, man kann durchaus sagen: es wurde kanonisiert.
      Judith Kerr sollte für viele Kinder der erste Zugang sein, zu Antisemitismus, Leben im Exil, Kindheit auf der Flucht.
      Ihr Buch brachte sie nach Deutschland zurück. Jedoch ihre Heimat war dieses Land nicht mehr.
      In England schuf sie als Illustratorin und Autorin weitere Klassiker der Kinderliteratur, wie den Kater Mog oder den Tiger, der zum Tee kam.
      Auch die biografisch geprägte Geschichte „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ erlebte zwei Fortsetzungen.
      Judith Kerr starb am 22. Mai 2019 im Alter von 95 Jahren.

      Autor des Artikels:
      Das_Odeon
      Bild: Christoph Rieger, CC BY-SA 4.0